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Konrad Hummlers erste Amtshandlung als Dorfkönig

Eingereicht on 07.07.2010 – 10:59

Konrad Hummler, Privatbankier aus St. Gallen, ist mutmasslich ziemlich verärgert. Er hat den Inserateauftrag der J.S. Bachstiftung im Ostschweizer Kulturmagazin Saiten gekündigt.

Im April hatte das Saiten mehrere Artikel zum Titelthema «Dorfkönige» publiziert. Der Kollege Kaspar Surber nahm dies zum Anlass, über den Privatbankier Hummler und sein Gefolge zu recherchieren. Er schreibt: «Das ist die Geschichte über Konrad Hummlers Rolle in St. Gallen und darüber hinaus. Ich habe sie journalistisch recherchiert. Aber ich schreibe sie auch als einer von 74’000 Einwohnern dieser Stadt.»

Entstanden ist ein ausführliches Portrait («Hummlers Hofstaat», pdf) eines selbsternannten Querkopfs, der die halbe Stadt zusammenkauft und sich aufführt – nun ja – wie ein Dorfkönig. Surber hat während der Recherche bewusst nicht mit Konrad Hummler gesprochen. Seine Begründung im Artikel: «Es könnte das erste Mittel gegen den Feudalismus sein: nicht mitzumachen.»

Kurz darauf hat Hummler beschlossen, die Inserate im Saiten zu streichen. Eine ziemlich unsouveräne und unmoderne Reaktion. Hummlers Schnellschuss zeugt von der Unfähigkeit, Kritik an seiner Person gelten zu lassen. In seinem Leserbrief zum Artikel «Hummlers Hofstaat» schreibt er, dass das Saiten eine «anarcho-libertäre Grundhaltung gegen vermutete oder tatsächliche Machtanmassung» vermissen lasse. Vielleicht hat er Surbers Artikel nicht richtig gelesen – genau gegen diese «vermutete oder tatsächliche Machtanmassung» schreibt er ja an. Oder stört sich Hummler einfach daran, dass der Artikel die Machtanmassung bei Hummler höchstpersönlich findet?

Im Folgenden die Reaktion des Privatbankiers auf den Artikel «Hummlers Hofstaat» :

Es ist zuzugeben: Der Vorwurf des Dorfkönigs sitzt. Er ist fies, denn alles, was ich künftig in diesem Dorf noch tun könnte oder wollte, wird nun die Konnotation «ist ja nur feudales Gehabe» erhalten. Natürlich nicht bei all den vielen Leuten, die Saiten ohnehin nicht lesen, aber eben trotz allem bei jenen, die das tun und die dazu beitragen könnten, dieses Dorf noch etwas interessanter zu gestalten. Und selbstverständlich bei mir, der ich mich ziemlich als Gegenbild eines «Dorfkönigs» verstehe. Kasper S., der Verfasser des Artikels, mied tunlichst jeden Kontakt mit dem Objekt seines Recherchierjournalismus, nahm dafür meine Freunde und Bekannten aus, ebenfalls ohne Bestätigung seiner Thesen zwar. Er wollte mich à tout prix nicht kennenlernen, weil er sich der Möglichkeit einer Verunsicherung nicht aussetzen wollte. Kasper S. ist mutmasslich ziemlich feig.
Die erste Handlung des «Dorfkönigs», vom Verdacht feudalen Gehabes loszukommen, liegt in der Kündigung des Inserateauftrags der J. S. Bachstiftung in Saiten. Publikum haben wir eh schon lange im Übermass für das laut Kasper S. fragwürdige Projekt. Das Inserat in Saiten war seit je aus reiner Sympathie platziert. Sympathie? Darf der «Dorfkönig» nicht mehr haben. Wird er auch nicht mehr.
Sympathie – wofür übrigens? Ich habe mir die letzten paar Ausgaben von Saiten noch einmal durchgeschaut. Ist noch zu spüren, was die Publikation einstens beseelt hat? Kultureller Aufbruch, frecher, aber träf-gekonnter, tagblatt-konträrer Journalismus, anarcho-libertäre Grundhaltung gegen vermutete oder tatsächliche Machtanmassung? Weit gefehlt. Was wir heute zu lesen bekommen, ist ein aufgemotzter Dorfkalender, inseratenmässig finanziert von den inflationär um sich greifenden, oft nur mässig besuchten, hochsubventionierten Veranstal-tungen, drapiert mit zusammengekleistertem schlechtem Fotomaterial und nicht einmal halbwegs lustigen Cartoons, das kulturelle Alibi redaktionell zusammen-gekratzt mit Möchtegern-Meienberg-Material. Meienberg ist tot; er hat im Dorf nur Würstchen hinterlassen.
Konrad Hummler, St. Gallen

Res ipsa loquitur …