Videos

Videos von Voten im Parlament und sonstigen Auftritten

Migration, Asyl

Beiträge zum breiten Themenfeld Migrationspolitik, Zuwanderung, Asylpolitik und Grundrechte für MigrantInnen.

Netzpolitik, IT, Web...

Kommentare und interessante Links aus dem Bereich IT, Internet, Netzpolitik etc. Subjektiv und unregelmässig.

Email-Debatte NZZaS

Seit Herbst 2014 führe ich alle 14 Tage eine Email-Debatte mit Gerhard Pfister (CVP) in der NZZaS

Ernährungssouveränität

Das Gegenprojekt zur neoliberalen Landwirtschafts- politik. Fair zu Produzenten, Konsumenten und der Natur.

Home » Politik, Syndicated

Rudolf Elmer über Occupy Paradeplatz: «David ist stärker geworden!»

Eingereicht on 17.10.2011 – 12:54

Die Zelte sind abgebrochen, die Besetzer abgezogen – und als ich heute morgen ein vorerst letztes Mal das Camp von «Occupy Paradeplatz» besuchte, stand nur noch der Banking Watchtower, den «die Empörten» am Samstag zwischen UBS und CS aufgebaut hatten. Weg sind auch die Reporter der Sonntagspresse, die am Samstag nach Prominenten auf dem Paradeplatz Ausschau hielten. Jean Ziegler, der Bankenkritiker, Soziologe und Uno-Beauftragte, hätte kommen sollen. Er hat es jedenfalls im Vorfeld angekündigt. Er soll aber, so hiess es am Samstag, das Flugzeug von Paris nach Zürich verpasst haben und richtete lediglich telefonisch eine Grussbotschaft an die Anwesenden (hätte er doch besser den Zug genommen, hoho!).

Dafür sollen andere prominente Unterstützer vor Ort gewesen sein, zum Beispiel Alice Cooper – wobei Kollege X, der ihn gesehen hat, nicht sicher war, ob Herr Cooper nicht doch eher gerade beim Shoppen war, als er am Rande des Paradeplatzes stehen blieb, um das bunte Treiben zu verfolgen.

Wie auch immer … Unerwarteten Besuch gab es dennoch:

Es ist Sonntagabend und der Zürcher Paradeplatz, Symbolbild des Bankenlandes Schweiz, ist zum Campingplatz umgenutzt worden: Rund fünfzig Personen zelten unter dem Motto «Occupy Paradeplatz» auf dem ehemaligen «Säumärt», wie der Platz bis 1819 offiziell hiess. Sie protestieren gegen die Banken, gegen die Finanzwelt, fordern mehr Demokratie, mehr soziale Gerechtigkeit (auch wenn es immer wieder heisst, die Demonstranten hätten keine Forderungen). Es dunkelt gerade langsam ein, als die Besetzer eine Vollversammlung abhalten und sich sich ein Mann dem Kreis der Diskutierenden nähert, der ein ganzes Leben lang Teil dieser so gescholtenen Finanzwelt war. Einer, der die intimen Details der Steuerhinterzieher und ihrer Gehilfen kennt: Rudolf Elmer, 56 Jahre alt, ehemals operativer Geschäftsführer der Bank Julius Bär auf den Cayman Inseln, heute Whistleblower und auf Seiten der Protestierenden zu finden. Elmer stellt sich nicht erst seit diesem Wochenende gegen die Finanzwelt. Er gilt seit Jahren als Feind der Banken: Der Fall Elmer ist die Geschichte eines kleinen Mannes, der gegen die Bahnhofstrasse aufgestanden ist.

Im Januar verhaftete ihn die Zürcher Polizei – nur wenige Stunden nachdem er vom Bezirksgericht wegen Bankgeheimnisverletzung, Nötigung und Drohung zu einer Geldstrafe verurteilt worden war – und sass mehr als sechs Monate lang in Untersuchungshaft im Winterthurer Gefängnis. Der Grund: Elmer soll angeblich gegen das Bankgeheimnis verstossen haben, weil er zwei Tage vor seinem Prozess während einer Pressekonferenz in London zwei CDs an Julian Assange übergab. (Auf den CDs, so die Vermutung der Staatsanwaltschaft, sollen sich Schweizer Bankkundendaten befunden haben. Elmer bestreitet dies.)

Jetzt steht Elmer am Sonntagabend auf dem Paradeplatz, von den meisten Anwesenden unerkannt, und sagt: «Ich bin hierhergekommen, um mir das anzusehen.» Im Rucksack trägt Elmer einen Stapel seines neusten Buches mit sich. «Es wäre ja seltsam, wenn ich nicht hier wäre, um Flagge zu zeigen. Es ist richtig, was sie hier tun. Es ist gut festzustellen, dass sich die jungen Menschen mit diesem Thema auseinandersetzen. Sie zeigen Durchhaltewillen und das ist nötig in dieser Sache. David ist stärker geworden!»

Dann, nach einem kurzen Gespräch, verlässt Rudolf Elmer den Platz. Er gehe jetzt, sagt er und lacht: «Sonst bin ich gleich wieder der Erste, den sie verhaften.»

flattr this!

Danke, wenn Du diesen Artikel teilst!<br>Tweet about this on Twitter
Twitter
Share on Facebook
Facebook
Share on Google+
Google+
Buffer this page
Buffer
Email this to someone
email

Tags: