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TEDTalk: Ungleichheit schadet der Gesellschaft

Eingereicht on 09.01.2012 – 18:50 2 Comments

Eine viertelstündige Präsentation von Richard Wilkinson fasst die Hauptthesen des Buchs “Gleichheit ist Glück” eindrücklich zusammen (ich danke Bastien Girod für den Link auf die Präsentation). Wer nicht genug englisch kann, findet ganz am Ende dieses Artikels das gleiche Video mit deutschen Untertiteln. Diese Informationen zeigen für mich auch, dass eine soziale und eine ökologische Politik zusammengehören. Nur so kommen wir von der Droge Wachstum los:

Wachstum ist eine Ersatzdroge für Einkommensgleichheit. So lange es Wachstum gibt, gibt es auch die Hoffnung, nur das macht grosse Einkommensunterschiede erträglich. Henry Wallich, ehemaliger US-Bundesbank Chef (Zero growth in Newsweek, 24.1.1972 – zitiert nach Wilkinson/Pickett 2009, S. 253)

An der Lifefair im Herbst 2011 wurde ich eingeladen, eine kurze Präsentation zu zeigen. Ich habe versucht, mit wenigen Bildern eben dies auf den Punkt zu bringen: warum für mich der Kampf für mehr Gerechtigkeit, der Kampf gegen den Wachstumszwang und für eine weltverträgliche Gesellschaft zusammengehören. Der Vortrag ist unten aufgeschaltet.

Leider vergrösserte sich die Ungleichheit in der Schweiz in den letzten Jahren deutlich (vgl. dazu auch den Verteilungsbericht des SGB). Die ersten Folien beziehen sich auf die aktuelle Vermögensverteilung in der Schweiz. Ein Prozent der Bevölkerung hat 60% des Vermögens (Folie 2), die reichsten zehn Prozent haben 80% (Folie 3). Folie 4 zeigt, wie klein das Durchschnittsvermögen der ärmeren Bevölkerungshälfte ist: nur 14’000.-, weniger als z.B. in Italien. Folie 5 zeigt, wie gleichzeitig sind die Unternehmensgewinne in den letzten Jahren massiv gestiegen sind – und die Steuerbelastung der Unternehmen gesunken ist: bei gleichem Steuersatz wie 1990 würden jährlich fast 29 Milliarden Franken zusätzlich für sinnvolle Investitionen zur Verfügung stehen.

Heute werden die Gewinne nicht mehr in die reale Wirtschaft re-investiert. Früher sagte man: die Gewinne von heute sind die Arbeitsplätze von morgen. Heute stimmt das nicht mehr, Folie 6 zeigt, wie in der OECD die Gewinnrate und die Investitionsrate seit 1975 immer mehr auseinanderklaffen.

Heute ermöglicht es das ständige Wachstumsversprechen, die Frage der Ungleichheit zu verdrängen (Folie 18). Aber wenn wir unsere Gesellschaft vom Wachstumszwang befreien wollen, braucht es mehr als einfach Verzicht für alle (Folie 19). Es braucht eine Verminderung der Ungleichheit (Folie 20).

Das Video mit Untertiteln:

2 Comments »

  • Lukas Peter sagt:

    Danke! Aber m.E. ist das Problem nicht Wachstum per se, sondern die Frage nach dem Inhalt oder der Kriterien des Wachstums. Menschen streben nach “Verbesserung”. Dieser Trieb/Drang kann man m.E. nciht abstellen. Stagnation macht krank und depressiv. Man muss deswegen andere Kriterien des Wachstums definieren, um Fortschritt zu definieren. Andere Kriterien wären zum Beispiel “Selbstbestimmungs-/Entfaltungsmöglichkeiten”, “Gesundheit”, “Bildungsgrad” oder “Glück” etc. Problematisch sind diese Begriffe, weil sie weniger fassbar und messbar sind als monetäre Werten und das BIP. Dennoch soll das irgendwie möglich sein. Für solche Aufgaben haben wir ja eigentlich die Sozialwissenschaften. (vgl. Amartya Sen)

  • Lieber Lukas Peter
    Natürlich ist nicht das “Wachstum” an und für sich problematisch, sondern seine Ausgestaltung. Allerdings ist die Rede vom “qualitativen statt quantitivem Wachstum”, Faktor 4 etc. oft mehr warme Luft als Lösung. Lies doch mal noch meinen Artikel “Mehr Lebensqualität statt mehr Wachstum. Was findest Du?

    Balthasar

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